Online Sicherheit für mein Kind
Du musst kein Hacker sein, um deine Kinder online zu schützen. Gespräche, die mehr bewirken als jede Kindersicherungs-App.
Eltern fragen mich oft, welche App ihre Kinder online schützt. Die ehrliche Antwort: keine, jedenfalls nicht für sich allein. Was Kinder schützt, ist Verständnis – und das entsteht aus einer Handvoll ruhiger Gespräche, nicht aus einem Einstellungsmenü.
Die Technik richtest du einmal ein (weiter unten steht, wie). Viel wichtiger sind die folgenden Gespräche.
1. Passwörter sind wie Zahnbürsten
Man teilt sie nicht, und man wechselt sie, wenn sich etwas komisch anfühlt. Ein Passwort-Manager übernimmt das Merken, sodass sich dein Kind nur noch ein einziges Passwort merken muss: das zum Passwort-Manager.
Hier bist du als Elternteil gefragt. Menschen – und Kinder erst recht – gehen den einfachen Weg. Wenn dein Kind nur noch ein Passwort braucht (oder einfach Face ID nutzt), wird es den Manager auch verwenden, statt überall dasselbe Passwort zu setzen. Richte also die Gesichtserkennung ein und zeig deinem Kind den eingebauten Passwort-Manager von iOS oder Android.
Für das eine Passwort zum Manager nimm einen Merksatz. So wird aus „Ich liebe die Tech-Workshops von Felix Paul 2026!” das Passwort „IldTWvFP2026!” – leicht zu merken, schwer zu raten. Etabliert so einen Merksatz ruhig früh.
Wenn eine App Passkeys anbietet, nimm sie. Die von iOS und Android nativ unterstützten Passkeys reichen völlig; physische Sicherheitsschlüssel sind für die meisten Menschen Overkill.
2. „Kostenlos” heißt meistens, dass du das Produkt bist
Wenn ein Spiel oder eine App nichts kostet, fragt gemeinsam: Womit verdient dieses Unternehmen Geld? Oft lautet die Antwort: mit Daten und Aufmerksamkeit. Das laut auszusprechen, ist schon die halbe Lektion.
3. Jeder kann sich für jeden ausgeben
Zeig deinem Kind, wie leicht sich ein Profilbild oder ein Absendername fälschen lässt. Wer das einmal gesehen hat, fällt nicht mehr auf „diese Nachricht sieht aus, als käme sie von der Bank” herein.
Das Gleiche gilt für Anrufe – Stimmen lassen sich per KI mittlerweile leicht fälschen. Vereinbart deshalb ein Familienkennwort, das am Anfang jedes Anrufs genannt wird: ein zufälliges Wort wie „Erdbeerpflück-Sonntag”, das nicht aus Social Media, Geburtsdaten oder anderen bekannten Infos ableitbar ist. Übt das, indem du dein Kind ab und zu ohne das Wort anrufst und einen Betrug imitierst.
Weitere Grundregeln am Telefon:
- Niemals Bankdaten nennen oder Geld übergeben.
- Bei Unsicherheit auflegen und über die gespeicherte Nummer zurückrufen – nicht über die, die angerufen hat.
- Unterdrückte Nummern gar nicht erst annehmen.
4. Innehalten vor dem Klick
Die meisten Betrugsmaschen funktionieren über Druck – „jetzt handeln”, „dein Konto ist gesperrt”. Die nützlichste Gewohnheit überhaupt ist, langsamer zu werden, wenn eine Nachricht zur Eile drängt oder Angst macht.
5. Du kannst dich nicht blamieren
Wenn online etwas schiefgeht, gibt es zu Hause Hilfe, keine Bestrafung. Kinder, die fürchten, ihr Handy zu verlieren, verstecken Probleme so lange, bis sie viel größer geworden sind. Diese Regel ist die wichtigste von allen.
6. Ein Alias für Unwichtiges
Für unwichtige Konten (Social Media, irgendwelche Spiele-Websites) dürfen es ruhig falsche Namen und Geburtsdaten sein – das schützt die Privatsphäre. Ihr könnt für alles Unwichtige denselben Alias nehmen oder pro Konto einen eigenen.
Für wichtige Konten wie Bank oder das primäre Mailkonto sind die echten Daten dagegen Pflicht.
Was du als Elternteil einrichtest
Drei Dinge stellst du einmal ein, dann laufen sie von allein:
- Passwort-Manager mit langen, einmaligen Passwörtern (auf iOS und Android eingebaut).
- Passkeys oder Zwei-Faktor-Authentifizierung, wo es geht.
- Automatische Updates für Handy, Tablet und Laptop.
Dazu zwei Mailadressen: eine für Wichtiges wie Banking, eine für Social Media, Spiele und Co. – oder nutze die automatischen Mail-Aliase von iOS. So bleiben wichtige Mails von unwichtigen getrennt.
Wer YouTube-Werbung loswerden will, nutzt einfach den Brave Browser; er blockiert sie automatisch.
Netzwerkweite Ad-Blocker, Kinderfilter und selbstverwaltete Passwort-Manager (wie KeePassXC) sind für normale Nutzer zu aufwändig, zu kompliziert und blocken am Ende doch nicht alles. Bildung ist langfristig wertvoller. Wenn du selbst IT-affin bist, kannst du solche Projekte gern mit deinem Kind umsetzen – halt das Setup aber einfach.
Hinweis zu älteren Familienangehörigen
Bei Großeltern gelten dieselben Regeln wie bei Kindern. Besonders wichtig ist hier der Schutz vor Telefon-Betrug: Vereinbart unbedingt ein Familienkennwort. Kleb ruhig einen großen Zettel ans Telefon mit der Aufschrift „Familienkennwort!” als Erinnerung – aber schreib nicht das Kennwort selbst darauf, außer es ist wirklich nötig. Und sprich das Thema regelmäßig an.
Du möchtest mehr erfahren? Komm gern zu einem meiner Elternabende, an denen ich zu IT-Themen rund um dein Kind berate. Wenn deine Schule einen möchte, melde dich gern.
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